Fische brauchen Wasser. Das weiß Walter. Bei seinen Aquarien schaut er jeden Tag nach, ob alles passt.
In letzter Zeit bleibt er beim Wetterbericht länger sitzen. Ausgetrocknete Bäche. Niedrige Pegel. Quellen, aus denen kaum noch etwas kommt.
Danach geht er vor die Tür und schaut in seinen Bach.
Früher hat’s dort geplätschert. Jetzt hört er hauptsächlich die Straße.
„Da brauchst bald keinen Steg mehr“, murmelt er. „Da reicht ein größerer Schritt.“
Auf dem Weg zum Einkaufen fährt er an einem Vorgarten vorbei. Der Rasen leuchtet grün. Der Sprenger läuft. Ein Teil des Wassers landet auf dem Gehweg.
Walter nimmt den Fuß vom Gas.
„Ja, gieß den Asphalt gleich mit. Vielleicht wächst noch ein Parkplatz.“
Zwei Häuser weiter wird ein Auto gewaschen. Es glänzt schon, aber der Besitzer hat offenbar noch eine Stelle gefunden, die nicht genug glänzt.
Walter schaut auf seine eigene Motorhaube. Staub, Blütenpollen, ein Vogelschiss.
„Meiner trägt dieses Jahr Trockenheitsmuster.“
Er grinst kurz. Dann denkt er wieder an den Bach.
Er gönnt den Leuten ihren Garten. Und er hat selbst lang genug in einer Werkstatt gearbeitet, um zu wissen, dass ein Auto gelegentlich gewaschen gehört.
Aber der Sprenger auf dem Gehweg geht ihm nicht aus dem Kopf.
„Im Fernsehen sind alle besorgt“, sagt er zur Windschutzscheibe. „Und daheim darf der Rasen nicht einmal ausschauen, als wär Sommer.“
Als er zurückkommt, bleibt er noch einmal am Bach stehen. Zwischen den Steinen zieht sich ein schmales Rinnsal hindurch.
Walter sagt eine Weile nichts.
Zu Hause versorgt er seine Fische. Das Wasser vom fälligen Teilwasserwechsel trägt er anschließend zu den durstigen Zierpflanzen.
„Ihr teilt’s euch das heut“, sagt er.
Dann schaut er zum Fenster hinaus.
Nebenan springt wieder der Rasensprenger an.
Walter schüttelt den Kopf.
„Dem Bach fehlt halt einer, der den Hahn aufdreht.“
