Zwei Männer diskutieren darüber, wer bei Gabi die besseren Chancen hat. Gabi entscheidet sich unterdessen für einen dritten Gesprächspartner.
Mitte der Achtziger. Walter ist Anfang zwanzig, hat noch kräftige Locken und verbringt den Abend im „Sunset“.
Vorne gibt’s ein kleines Bistro mit Pizza. Dahinter die Disco: Rockmusik, Sitzecken, eine überschaubare Tanzfläche. Weiter hinten Billard und Spielautomaten. Lederjacken gehören praktisch zur Einrichtung.
Walter steht mit seinem Bier etwas abseits und schaut sich das Treiben an. Er braucht keine große Runde um sich. Wenn die Musik passt, passt fürs Erste auch der Abend.
Dann fällt ihm Gabi auf.
Rote Haare, Röhrenjeans, enges Top. Eine junge Frau ungefähr in seinem Alter, die er hier noch nicht gesehen hat.
Anderen ist sie ebenfalls aufgefallen.
Besonders zweien.
Der eine hat ihr ein Getränk angeboten. Der andere offenbar auch. Was zunächst nach großzügiger Gastfreundschaft aussieht, entwickelt sich gerade zu einer Besitzstandsdiskussion.
„Ich hab sie zuerst gefragt.“
„Ja, und? Sie steht doch bei mir.“
Walter nimmt einen Schluck.
Interessant. Gabi steht direkt daneben, aber keiner fragt sie etwas.
Die Stimmen werden lauter. Einer richtet seine Jacke, der andere schiebt die Schultern nach hinten. Auf den Rücken prangen Clubaufnäher. Vorne arbeitet das Ego.
Walter kennt solche Auftritte. Ein bisschen Alkohol, ein bisschen Publikum – und plötzlich muss ausgerechnet vor der Damentoilette die Rangordnung des Abendlandes geklärt werden.
Er hält sich raus.
Gabi inzwischen auch.
Sie dreht sich um, lässt die beiden stehen und kommt auf Walter zu.
„Na, du. Auch allein hier?“
Walter schaut kurz hinter sich.
„Bis grad eben.“
Sie lächelt und setzt sich neben ihn.
„Ich bin erst kürzlich hergezogen. Aber die Typen hier scheinen ganz schön … nervös zu sein.“
Walter blickt zu den beiden, die ihren Meinungsaustausch inzwischen mit ausladenden Handbewegungen unterstützen.
„Die verhandeln noch.“
„Worüber?“
„Das müsstest eigentlich du wissen.“
Gabi lacht.
Das Gespräch kommt schnell in Gang. Sie stammt ursprünglich aus Oberbayern. Walter auch. Man kennt ähnliche Orte, vermisst dieselben Ausdrücke und ist sich einig, dass eine anständige Pizza nach Mitternacht durchaus als Abendplanung durchgeht.
Also wechseln sie irgendwann ins Bistro.
Hinter ihnen streiten die beiden noch immer.
„Willst du da nicht mitreden?“, fragt Gabi.
Walter schüttelt den Kopf.
„Ich hab Hunger.“
Später wird aus der Pizza noch ein langer Abend. Und aus dem langen Abend ein gemeinsames Frühstück.
Am nächsten Morgen sitzt Walter mit Kaffee am Tisch. Gabi trägt ihre roten Haare jetzt etwas weniger ordentlich als am Vorabend.
„Du bist wirklich angenehm unaufgeregt“, sagt sie.
Walter grinst.
„Wart, bis der Kaffee leer ist.“
Sie verabschieden sich später, tauschen Nummern aus und bleiben noch eine Zeit lang in Kontakt.
Was aus den beiden Streithähnen geworden ist, erfährt Walter nicht.
„Vielleicht stehen’s heut noch dort. Ich hab mich nicht abgemeldet.“
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Eine frei erfundene Geschichte aus Walters wilden Jahren. Personen, Dialoge und Geschehen sind fiktional ausgestaltet.
