Eine Meldung über steigende Preise in Russland bringt Walter zunächst zum Schmunzeln. Dann fällt sein Blick auf den eigenen Kassenzettel.
Walter sitzt vor den Nachrichten. Es geht um Menschen in Russland, denen die Preise über den Kopf wachsen.
Er zieht eine Augenbraue hoch.
„Mei. Große Weltpolitik. Und am Schluss steht wieder einer vorm Kühlregal und rechnet, ob’s fürs Abendessen reicht.“
Für einen Moment muss er schmunzeln. Ihm fällt ein alter Spruch ein:
„Am Ende vom Geld ist immer noch so viel Monat übrig.“
Den hat er früher schon gehört. Damals fand er ihn lustiger.
Walter greift nach seinem Kassenzettel. Den hat er neben die Fernbedienung gelegt, weil er zu Hause noch einmal nachschauen wollte, was an dem kleinen Einkauf eigentlich so teuer gewesen ist.
„Früher hast nachgezählt, ob das Wechselgeld stimmt. Heute zählst nach, ob du wirklich so wenig gekauft hast.“
Er streicht den Zettel glatt.
Brot. Milch. Kaffee. Ein bisschen Wurst. Nichts, wofür man einen Vermögensberater dazuholen müsste. Eigentlich.
„Jeden Euro zweimal umdrehen, sagen’s immer. Ich dreh meine inzwischen so oft um, dass dem Bundesadler schon schlecht wird.“
Dann wird Walter stiller.
Er denkt an die Leute, die an der Kasse etwas zurücklegen. An diejenigen, die erst den Preis anschauen und dann entscheiden, worauf sie heute Appetit haben dürfen.
„Ob da einer Rubel zählt oder Euro: Wenn er beim Essen sparen muss, ist das für ihn kein Wirtschaftsteil. Das ist sein Kühlschrank.“
Er faltet den Kassenzettel zusammen.
Über Regierungen kann Walter lange schimpfen. Über Menschen, denen das Geld für den Alltag fehlt, macht er sich nicht lustig.
„Ich gönn doch jedem sein Auskommen. Ich hätt bloß selber auch gern eins.“
Er nimmt einen Schluck Kaffee. Den trinkt er heute besonders langsam.
„Für große Politik bin ich nicht zuständig. Ich schau erst einmal, ob meine Rente bis Freitag zuständig bleibt.“
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Was Walter da gelesen hat
Anlass für diesen satirischen Kommentar ist eine t-online-Meldung über hohe Preise und die Belastung der Bevölkerung in Russland. Walters Gedanken zum eigenen Einkauf sind frei erfundene Alltagssatire; die wirtschaftlichen Verhältnisse beider Länder werden damit nicht gleichgesetzt.
„Zur Meldung über den Preisschock in Russland bei t-online“ (https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_101490878/preisschock-in-russland-wladimir-putins-buerger-verzweifeln-an-preisen-.html)
Eine Geschichte aus Walters Welt. Handlung und Dialoge sind satirisch ausgestaltet.
